Die wahre Bevölkerungsgefahr

2009-03-25 - wnp - Keine Kommentare

Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen — ich hatte fünf Geschwister. Meine Mutter kam ebenfalls aus einer großen Familie — sie hatte neun Geschwister. In meiner ganzen Schulzeit kann ich mich an keine Schulkameraden erinnern, die mehr als zwei oder drei Geschwister hatten, und unter den Schulkameraden meiner Kinder haben die meisten nur mehr einen Bruder oder eine Schwester oder sind Einzelkinder. Der folgende Artikel von Dr. Albert Mohler, Präsident des Southern Baptist Theological Seminary in Louisville, Kentucky, beleuchtet das Thema der “Entvölkerung” der Welt aus einer Perspektive, die man nur selten hört. Wir sind so gewöhnt, von der Bevölkerungsexplosion zu hören, daß uns gar nicht bewußt ist, daß das Problem bei uns im Westen schon längst ins Gegenteil umgeschlagen ist, und weltweit ebenfalls in diese Richtung geht.

Seit mehr als hundert Jahren schon sagen diverse Endzeitpropheten voraus, daß die Überbevölkerung der Erde zu ökologischen Katastrophen, Hungersnot, Armut, und anderen schlimmen Folgen führen würde. In der gestrigen Ausgabe der amerikanischen Tageszeitung USA Today weist Philip Longman darauf hin, daß die Erdbevölkerung im Jahr 2012 die Zahl von 7 Milliarden erreichen wird, im Vergleich zu 6 Milliarden, die im Jahr 1999 erreicht wurden. Ist die Überbevölkerung also tatsächlich eine drohende Gefahr?

Schwerlich. Obwohl die Bevölkerungsdichte in manchen Teilen der Welt zu realen Problemen führt, ist die wirkliche Gefahr für unsere Zukunft laut Philip Longman eine „Entvölkerung“. „Global gesprochen sehen wir, wie die Anzahl älterer Menschen explodiert, während die Zahl junger Menschen zurück­geht.“

Dieser Entvölkerungs-Trend begann in Europa, griff auf Asien über, und ist inzwischen sogar in Latein­amerika feststellbar. Die Vereinten Nationen sagen heute voraus, daß die Weltbevölkerung bereits ab 2040 zurückgehen wird, und daß das Durchschnittsalter der verbleibenden Bevölkerung sehr hoch sein wird.

Longman schreibt:

Wenn man das von der UNO als am wahrscheinlichsten eingestufte Szenario betrachtet, dann kommt mehr als die Hälfte des verbleibenden Wachstums von einer Zunahme von Senioren um 1.2 Milliarden, während die weltweite Anzahl der Kinder und Jugendlichen innerhalb von 15 Jahren abnehmen wird. Mit weniger aktiven Arbeitskräften pro Alters-Pensionist muß die Weltwirtschaft entsprechend stärker wachsen und mehr Ressourcen verbrauchen, oder wir gehen einem fallenden Lebensstandard entgegen.

In den USA, wo fast ein Fünftel der Baby-Boomer nie Kinder hatten, wird die Krise der schwindenden Pensions-Sparkonten noch verschärft duch eine Krise der formellen und informellen Pflege-Netzwerke, die durch den Kindermangel hervorgerufen wird. Ein Haustier kann einem zwar Gesellschaft leisten, wird aber nicht so hilfreich sein, wenn es darum geht, einen Weg durch das Dickicht von Gesundheits- und Sozialleistungen zu finden oder betrügerischen Vertretern die Tür zu weisen.

Die simple Tatsache ist, daß ein stabiler Lebensstandard von einem stabilen Zufluß junger Menschen in den Arbeitsmarkt abhängt, die ihren Beitrag zur Wirtschaft und Kultur leisten. Wenn der Seniorenanteil an der Bevölkerung außergewöhnlich hoch ist, beginnen Wirtschaft und Kultur in Richtung Unhalt­barkeit abzugleiten. Um nur einen offensichtlichen Aspekt herauszugreifen: wenn die Anzahl von Aktiven und Menschen im Altersruhestand sich nicht die Waage hält, hat die Wirtschaft nicht mehr die Kraft, alle Rechnungen zu bezahlen.

Ökonomen und Bevölkerungsforscher können unzählige Aspekte dieser neuen Entwicklung diskutieren, aber aus einer christlichen Weltsicht sind einige Dinge von besonderer Bedeutung. Longman unterstreicht die Tatsache, daß dieses drohende Bevölkerungs-Ungleichgewicht das Resultat von Lebensstil-Entscheidung und menschlichen Verhaltensweisen ist, und nicht von unpersönlichen Ursachen, die jenseits menschlicher Kontrolle lägen.

Betrachten wir dafür diese eine Statistik: Nahezu ein Fünftel der amerikanischen Baby-Boomer hatten nie Kinder. Wie Longman sagt, stellt diese Kinderlosigkeit eine große Belastung des gesamten Pflege­systems dar, von dem sowohl der Einzelne als auch die gesamte Gesellschaft abhängen.

Longmans Bemerkung über Haustiere ist tief bedrückend: „Ein Haustier kann einem zwar Gesellschaft leisten, wird aber nicht so hilfreich sein, wenn es darum geht, einen Weg durch das Dickicht von Gesundheits- und Sozialleistungen zu finden oder betrügerischen Vertretern die Tür zu weisen.“ In letzter Zeit haben uns die Medien genügend Geschichten geliefert über Menschen, die ihre Haustiere als Kinder-Ersatz betrachten. Muß man extra darauf hinweisen, daß die Haustiere diesen Gefallen nicht wirklich erwidern können?

Christen sollten auch daran denken, daß sich dieses ganze Thema nicht davon trennen läßt, wozu Gott den Menschen in Seinem Ebenbild erschaffen und ihm eine besondere Rolle in der Welt zugewiesen hat. Ebenso hat Er uns Ehe und das Geschenk von Kindern in der Familie gegeben. Die Verhütungs­revolution hat zu einer radikalen Veränderung geführt in der Weise, wie moderne Menschen Kinder betrachten. Kinder sind jetzt ein Teil des Lebensstils, für den man sich entscheidet – und für den sich viele Paare eben nicht mehr entscheiden.

Longman schließt seine Überlegungen wie folgt: „Gesellschaften überall auf der Welt müssen sich überlegen, warum sie sich in Verhaltensweisen ergehen, die, wenn sie von Biologen in anderen Lebewesen beobachtet würden, als fehlangepaßte Verhaltensweisen eingestuft würden, die entweder zum Aussterben oder zu dramatischen Mutationen führen würden.“

Die Verhütungsmentalität und der Trend zur Kinderlosigkeit bringen Konsequenzen mit sich, und diese Konsequenzen lassen sich nicht so leicht reversieren. Umso mehr wir uns von den natürlichen Segnungen der natürlichen Famile entfernen, umso größer wird unserer Verwundbarkeit. Longman weist darauf hin, daß China mit großen Schritten auf eine Situation zugeht, wo ein Kind zwei Eltern und vier Großeltern erhalten muß. Das läßt sich nicht nur nicht lange durchhalten – es ist in jeder Hinsicht unhaltbar.


Philip Longman’s Buch, Empty Cradle: How Falling Birthrates Threaten World Prosperity and What to Do About It (Die leere Krippe: Wie fallende Geburtsraten den Wohlstand der Welt bedrohen, und was man dagegen tun kann) ist eine wichtige Ressource beim Nachdenken über dieses Thema.

Eine Titelgeschichte der New York Times am 22. März 2009 mit dem Titel, Its Population Falling, Russia Beckons its Children Home (Bei fallenden Bevölkerungszahlen ruft Rußland seine Kinder heim) belegt Longmans These. Reporter Clifford J Levy schreibt, „Die russische Regierung versucht, dem drastischen Schrumpfen der Bevölkerung entgegenzuwirken, indem sie versucht, russische Auswanderer und deren Nachkommen zurückzulocken.“


Dieser Artikel erschien am 25. März 2009 auf Dr. Mohler’s Blog, und wurde mit Erlaubnis der Autors von Wolf Paul übersetzt und hier veröffentlicht. Copyright © 2009 Dr. Albert Mohler. All Rights Reserved. Used by Permission.


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