Ewige Hölle?
2009-03-12 - wnp - 1 Kommentar
In einem Gästebucheintrag schreibt ein Leser,
Hallo, evangelikale Theologie baut doch im wesentlichen auf der Angst vor der ewigen Hölle auf. Hier einige Anregungen, wie man auch christlich nonkonformistisch das Thema beleuchten kann: www.ewigehoelle.de.vu Bin gespannt auf eure nachhaltigen Überlegungen dazu. LG Tom
Ich will zumindest kurz darauf eingehen.
Evangelikale Theologie baut nicht auf der Angst vor der ewigen Hölle auf, sondern auf der liebevollen Einladung Gottes, mit Ihm in eine Beziehung zu treten. Auch wenn die meisten Evangelikalen überzeugt sind, daß die Heilige Schrift von einer ewigen Strafe für die Sünde der Menschen spricht, geht es der evangelikalen Theologie um viel mehr als nur ein Vermeiden dieser Strafe.
Evangelikale, die sich mit ihrer Bibel und mit ihrem Glauben beschäftigen, sind sich auch durchaus bewußt, daß das deutsche Wort “Hölle” verschiedene griechische Wörter übersetzt — diese Erkenntnis findet sich in den meisten evangelikalen Kommentaren zum Neuen Testament, und auch in den Randnotizen oder Fußnoten der besseren Studienbibeln.
Insgesamt scheint es mir zielführender, Jesus Christus zu predigen und das, was er uns schenken will: eine Beziehung zu Gott, Freiheit von der Macht der Sünde in unserem Leben, ein ewiges, erfülltes Leben.
Was mir allerdings an den Artikeln auf der von Tom erwähnten Webseite auffällt ist, daß das Ergebnis, die End-Aussage bereits im Vorhinein feststeht: die Hölle, als ewige Sündenstrafe, ist ein Mythos. Alle Artikel der Webseite sind darauf ausgerichtet, diese Annahme durch Präsentation von Bibelversen und Aussagen diverser Leute zu untermauern.
Wenn man dieses Thema wirklich ernsthaft studieren wollte, müßte man mit dem Text der Heiligen Schrift, und zwar spezifisch mit dem Text der vier Evangelien, beginnen, und sehen was Christus tatsächlich gelehrt und gepredigt hat. Dann würde man merken, daß viele volkstümliche Vorstellungen von der Hölle tatsächlich keinen Rückhalt in der Schrift haben, daß Jesus aber sehr wohl betont, daß der Mensch sich entscheiden muß zwischen einem Leben mit Gott, und einem Leben der Trennung von Gott. Und das ist das wesentliche — nicht die detaillierten Vorstellungen, die wir uns von den Dingen machen.



1 Kommentar
Tom
2009-04-28 um 09:36
Lieber Kritiker,
ganz herzlichen Dank für Ihre nachvollziehbare und verständliche Kritik.
Meine Einstufung, die ewige Hölle sei ein Mythos, habe ich mir nicht leicht gemacht. Als evangelikaler Christ habe ich jahrelang recherchiert. Richtig ist, dass ich hier die Argumente so gut wie möglich zusammen getragen habe, die zu dieser Einschätzung führten und diese unterstreichen, denn Argumente für eine ewige Hölle finden sich ja andernorts zur Genüge.
Keinesfalls will ich die ausstehenden Gerichte Gottes kleinreden. Ich habe ausführlich unter dem Menüpunkt “Gerichte Gottes” versucht, die Komplexität der ausstehenden Gerichte darzustellen.
Mit Recht weisen Sie darauf hin, die Gerichtsandrohungen Jesu angemessen zu berücksichtigen.
Die Christenheit hat unterschiedliche Sichtweisen zu einem möglichen Heilsplan Gottes extrahiert. Ich neige in meiner Wahrnehmung zu einer Variante des Dispensationalismus nach Ethelbert William Bullinger. Danach gelten die Gerichtsdrohungen des vorösterlichen Jesus nur Israel und bedeuten die mögliche Abwesenheit ungerechter Juden vom 1000-jährigen Reich. Dies kann man durchaus schließen aus der Aussage Jesu: Mt 15,24: “Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.”
Warnungen vor einer ewigen Quälhölle gibt es weder im Alten Testament noch bei Paulus. Folglich ist es berechtigt, zu überprüfen, ob die Begriffe “ewig” und “Hölle” in den Evangelien zu recht gebraucht werden.
Liebe Grüße
Tom
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