Nur Glaube tut so etwas!

2009-03-17 - wnp - Keine Kommentare

(Gastbeitrag von Dr. Joe McKeever, Director of Ministry für die Baptisten-Vereinigung von New Orleans)

Wollt ihr Glauben in seiner ausgeprägtesten Form sehen? Seht euch mal das Gemeindehaus der Free Mission Baptist Church an.

Nun, es sieht nicht besonders aus, nur ein einfacher, rechteckiger Ziegelbau, in dem vielleicht 100 Personen Platz haben. Der Haupteingang führt in einen kleinen aber feinen Gottesdienstraum, und hinten, hinter der Kanzel, gibt es ein paar Sonntagsschulräume. Freddie Arnold sagt, das Gemeindehaus ist von innen hübscher als von außen. Aber das ist nicht das Erstaunliche an diesem Kirchengebäude.

Was so unglaublich ist an Free Mission, ist, daß das Gebäde renoviert wurde, und wo das geschehen ist.

Free Mission Baptist Church liegt an der Egania Street, mitten im Herzen des zerstörten “Lower Ninth Ward”, dem vom Hurrikan Katarina am schwersten beschädigten Gebiet von New Orleans. Dieser tiefstgelegene Teil der Stadt liegt östlich des Industrial Canal auf dem Weg vom Stadtzentrum nach St. Bernhard Parish. Der Damm ist nur ein paar Blocks westlich von Free Mission gebrochen, und das Wasser hat das Gemeindehaus genauso überflutet, wie alles andere, das ihm im Weg stand. Die Wassermassen haben Häuser von ihren Fundamenten gehoben, sie übereinander geschmissen, sie wieder auf Autos und Booten fallen gelassen, und ältere Gebäude einfach umgerissen. Die meisten Menschen, die in ihren Häusern blieben, um den Sturm auszusitzen, sind in ihren Häusern ertrunken.

Monatelang nach Katarina sind Touristen die schmalen Straßen des Lower Ninth Ward auf und ab gefahren, entsetzt von dem Anblick, der sich ihnen bot — eine Nachbarschaft in Trümmern. Mehr als ein Jahr lang wurden immer wieder Leichen aus den eingestürzten Häusern geborgen.

Heute besteht der Lower Ninth hauptsächlich aus leeren Grundstücken, viele Knie-hoch mit Unkraut bewachsen. Hier und dort wurde ein Haus renoviert oder neu gebaut, und für einige weitere Häuser ist das ebenfalls geplant, hat aber noch nicht begonnen.

Im Herzen all dieser Zerstörung haben Pastor Johny Jones und eine Handvoll seiner Gemeindeglieder ihr Gemeindehaus wieder aufgebaut. Mit Geld von der Versicherung und mit der Hilfe von ein paar Freiwilligen haben sie das Gebäude auf den Rohbau reduziert und von Grund auf repariert. Kommenden Sonntag, am 22. März 2009, findet die Einweihung des wiederhergestellten Gemeindehauses statt.

Nur der Glaube kehrt in den Lower Ninth Ward zurück, noch bevor die Bevölkerung zurückgekehrt ist.

Wenn die Menschen heimkommen, wird Free Mission sie bereits erwarten.

Ich bin vorige Woche dort vorbeigefahren, um zu sehen, wie sie mit den Arbeiten vorankommen. Ein Gemeindeglied, Myrna, hat gerade Photos gemacht für eine Powerpoint-Präsentation, die bei der Einweihung gezeigt werden soll. Sie war gerade in ihrer Mittagspause, sagte sie.

Als ich meine Verwunderung ausdrückte über ihre Begeisterung, meinte sie, “Ich bin in dieser Nachbarschaft aufgewachsen. Meine Eltern haben vor 56 Jahren geholfen, diese Gemeinde zu gründen, und ich wurde ein paar Jahre danach geboren. Das ist die einzige Gemeinde, die ich je gekannt habe.”

In den letzten mehr als zwei Jahren hat Free Mission ihren Sonntagsgottesdienst im Gebäude unserer Vereinigung gehalten, am Lakeshore Drive gegenüber von der Universität. Myrna sagte, “Dorthin muss ich von Metairie mit dem Auto fahren — hierher zu fahren, wird genauso einfach.”

Irgendetwas an dieser Heimkehr der Gemeinde, daran, daß die Gemeinde wieder dort ist, wo sie immer schon war, bereit für die Heimkehr der Bevölkerung, irgendetwas an all dem kommt ihr — und der Gemeinde — ganz richtig vor.

Pastor Johnny Jones ist jemand, den jeder von uns gerne als Hirten hätte. Ein pensionierter Schuldirektor, ist er ein Modell von Freundlichkeit und Zuvorkommenheit. Immer perfekt gekleidet, immer mit einem Lächeln im Gesicht, ermutigt er einen einfach durch seine Anwesenheit. Wenn er betet, weiß man, daß man im Thronraum des Himmels ist. Seine Frau, Winniefred (wir nennen sie Miss Winnie) ist genauso wunderbar. Voriges Jahr hat sie ihr Masters Studium an der Tulane Universität abgeschlossen.

Johnny und Winniefred sind seit 26 Jahren die Pastoren der Free Mission Church. Niemand wird glücklicher sein als sie, wieder zu Hause zu sein. Wir freuen uns mit ihnen.

Die menschliche Weisheit würde sagen, daß diese Gemeinde mit dem Wiederaufbau häte zuwarten sollen, bis die Bevölkerung zurükkehrt. Wozu bauen, solange der Kundenstock nicht da ist?

Aber der Glaube geht aus, weiß gar nicht immer, wohin, wo er sich finden wird oder wie sich die Dinge entwickeln werden. Glaube weiß einfach, daß Gott führt, und daß Er bei uns ist. Die menschliche Weisheit würde uns raten, alles genau zu planen, jeden Schritt, jede Kurve, zwischen hier und dort. Aber der Glaube ist anders.

Der Glaube tut, was Jesus getan hat. Er sage, “Ich gehe, um euch einen Platz zu bereiten.” Als Er das sagte, als Er ging, um uns eine ewige Heimat vorzubereiten, waren die meisten von uns noch gar nicht geboren, und die, die bereits lebten, waren größtenteils noch ungläubig. Trotzdem ging er, uns einen Platz zu bereiten.

Jesus hatte Glaube, daß wir eines Tages da sein würden.

So ist der Glaube.

In seinem wunderbaren kleinen Buch “Die Kraft des Positiven Betens” erzäht John Bisagno von der Zeit, als er seiner fünf Jahre alten Tochter Melodye Jan versprochen hatte, ihr ein Puppenhaus zu bauen. Er war damals gerade sehr mit einem Buch beschäftigt, an dem er schrieb, und die meiste Zeit nahm er seine Tochter gar nicht wahr, wenn sie aus und ein lief. Irgendwann hat er sie dann im Garten gesehen, die Arme voll mit Puppen, Puppengeschirr, und anderem Spielzeug. Er rief zu seiner Frau, “Liebling, was macht sie denn da draussen?”

Frau Bisagno antwortete, “Du hast ihr doch ein Puppenhaus versprochen, und sie vertraut dir. Sie macht sich bereit für ihr Puppenhaus.”

Bruder John schreibt, “Ich war wie von einer Atombombe getroffen. Ich hab das Buch beiseite geschmissen, bin zum Holzhändler gerast und habe diesem kleinen Mädchen ihr Puppenhaus gebaut.”

Dann zieht er die Lektion aus diesem Erlebnis: “Warum hab ich so reagiert? Weil sie das Puppenhaus haben wollte? Nein. Weil sie es verdient hatte? Nein. Sondern weil ihr Vater es versprochen hatte, und sie diesem Versprechen vertraute und danach handelte. Als ich ihren Glauben sah, konnte mich nichts davon abhalten, mein Versprechen einzuhalten.”

“Als Jesus ihren Glauben sah …” (Markus 2,5)

(Copyright © 2009 by Joe McKeever. All Rights Reserved. Used by permission. Deutsche Übersetzung von Wolf Paul)


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