Selbstmord der Kirche?
2009-03-31 - wnp - Keine Kommentare
Ich bin von jungen Jahren an von Menschen aus den Niederlanden geistlich beeinflußt worden: zuerst von holländischen Priestern und Religionslehrern in der katholischen Kirche, und später, als evangelikaler Christ, von holländischen Pastoren und Missionaren.
Auch die heroischen Leistungen vieler Niederländer, die während der Nazi-Okkupation ihres Landes das eigene Leben riskiert haben, um jüdische Mitbürger zu schützen, haben mich immer sehr beeindruckt. Umso bedrückender sind für mich die Entwicklungen in diesem Land in den letzten Jahrzehnten, mit der immer radikaleren Liberalisierung von Dingen wie legaler Drogenkonsum und Euthanasie. Nun erreichen uns Berichte aus den Niederlanden, die gerade aus christlicher Sicht besonders besorgniserregend sind. Hier ist ein Beispiel:
M i d d e l b u r g (idea) – Als „atheistischen Pastor“ beschreibt sich ein niederländischer Pfarrer, der nicht an die Existenz Gottes glaubt. Klaas Hendrikse, Pastor einer evangelischen Kirchengemeinde in Middelburg, hat mit seinem Buch „An einen Gott glauben, der nicht existiert – Manifest eines atheistischen Pastors“ Furore in den Niederlanden gemacht. Das Werk habe seit dem ersten Erscheinen Anfang November bereits die dritte Auflage erlebt, berichtet die ökumenische Nachrichtenagentur ENI.
Gott sei für ihn kein Wesen, sondern ein Begriff für eine Beziehung, erläutert Hendrikse. Wenn jemand sage: „Ich will dich nicht verlassen“ und das auch einhalte, dann könne man diese Beziehung als „Gott“ bezeichnen. Die Protestantische Kirche in den Niederlanden hat mit Hendrikse, der seit 20 Jahren als Gemeindepastor tätig ist, ihre liebe Not. Generalsekretär Bas Plaisier kritisierte die Einstellung des Pfarrers. Er behandele den christlichen Glauben wie Müll, den man in die Tonne werfe. Disziplinarische Schritte will die Kirche gleichwohl nicht einleiten. Es sei besser, ihm gegenüber den Gauben zu bezeugen, sagte Plaisier. Auf so viel Verständnis trifft der kirchliche Gottesleugner in der Öffentlichkeit nicht überall. Die Zeitung De Volkskrant verglich ihn mit einem „Vegetarier, der als Metzger arbeitet“.
Hier ist eine Zusammenfassung von Gedanken, die sich Dr. Albert Mohler über diesen Fall gemacht hat:
Leider sind solche theologischen Ansichten heute gar nicht so selten. In letzter Zeit haben sich gar nicht wenige Theologen immer weiter von einer realistischen Theologie (die davon ausgeht, daß der Gott, von dem sie handelt, real ist) entfernt, hin zu einer nicht-realistischen Theologie, die nicht glaubt, daß Gott wirklich existiert, ihn aber für ein nützliches Konzept hält. Solche Theologen können tatsächlich Atheisten sein, und das nicht als Widerspruch zu ihrem Beruf empfinden.
Janet Martin Soskice beschreibt theologische Realisten wie folgt: “Theologen, die sich zwar bewußt sind, daß keine theologische Formulierung die göttliche Realität wirklich fassen kann, die aber trotzdem überzeugt sind, daß diese göttlichen Realitäten, welche die Theologie zu beschreiben sucht, tatsächlich existieren.” Das ist eine nützliche Definition, weil sie uns daran erinnert, daß es Theologen gibt, die nicht von der Existenz dessen überzeugt sind, was sie beschreiben. Ebenso scheint es also Pfarrer zu geben, die zwar nicht an die Existenz Gottes glauben, ihn aber für eine nützliche Idee halten.
Während die meisten Christen die Vorstellung, daß ein Pfarre nicht an Gott glaubt, und trotzdem Pfarrer bleiben will, schockierend finden werden, ist das in theologisch liberalen Kreisen gar nicht so unvorstellbar. Wahrscheinlich ist Pfarrer Hendrikse einfach offener und ehrlicher in Bezug auf das was er glaubt, denn viele liberale Theologen glauben, daß Gott letztlich einfach eine nützliche intellektuelle Spekulation ist, und nicht ein real und in sich selbst existierendes Wesen.
Das wirklich schockierende an diesem Fall ist die Begründung, mit der die Kirchenleitung es ablehnt, disziplinäre Maßnahmen gegen Pfarrer Hendrikse zu ergreifen. “Ein Disziplinarverfahren gegen Pfarrer Hendrikse würde nur zu längeren Debatten über die Bedeutung von Worten führen, die letzten Endes auch nicht mehr Klarheit bringen würden.”
Das ist die Welt der liberalen Theologie: Der Dienst eines Predigers, der nicht an Gott glaubt, ist weniger schädlich, als “längere Debatten über die Bedeutung von Worten, die letzten Endes auch nicht mehr Klarheit bringen würden.” Natürlich ist die Kirche selbst an diesem Mangel an Klarheit schuld. Es ist ja nicht so, als ob die Dinge unklar wären. Eine Kirche, die nicht erwartet, daß ihre Pfarrer an Gott glauben, kann theologisch schon gar nicht mehr tiefer fallen.
Der theologische Suizid einer Kirche beginnt nicht mit einem Pastor, der nicht einmal an Gott glaubt. Er beginnt damit, daß hier eine biblische Lehre geleugnet wird, dort eine Glaubenswahrheit abgeschwächt wird. Früher oder später führt dann der Unwille der Kirchenleitung, Pastoren und Theologen zur Verantwortung zu ziehen, dazu, daß noch mehr theologische Zugeständnisse gemacht werden. Die Feigheit kirchlicher Bürokraten öffnet das Tor für alle möglichen abstrusen Verirrungen, und plötzlich steht ein Atheist in der Kanzel.
Eine Kirche, die Angst hat vor “längere Debatten über die Bedeutung von Worten, die letzten Endes auch nicht mehr Klarheit bringen würden,” ist selbst mitschuld an der Unklarheit. Es ist die Aufgabe der Kirche, die Dinge klar zu machen und den Glauben zu verteidigen — sonst hört sie auf, Kirche zu sein.



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