Von den Säulengängen Roms zu den Säulengängen Harvards

2009-03-20 - wnp - Keine Kommentare

Die Medien und diverse Aktivisten haben sich wieder einmal über eine Aussage des Papstes zum Thema AIDS-Bekämpfung ereifert.

Vor ein paar Tagen hat der Papst auf dem Flug nach Afrika eine Journalistenfrage nach AIDS-Bekämpfung beantwortet und gesagt, daß die Massenverteilung von Kondomen das AIDS-Problem Afrikas nicht löst, sondern im Gegenteil noch schlimmer macht.

In den empörten Reaktionen von Medien sowie AIDS- und Gesundheitsaktivisten wurde wieder einmal der Vorwurf erhoben, dass die röm-kath. Kirche, und an ihrer Spitze der Papst, für das Leiden und den Tod von Tausenden AIDS-Opfern verantwortlich sind, weil sie die Massenverteilung von Kondomen ablehnen und stattdessen Monogamie und sexuelle Abstinenz außerhalb der Ehe propagieren.

Ich habe in der Vergangenheit auf diese Vorwürfe wie folgt reagiert:

  1. Obwohl die Kirche gegen die Massenverteilung von Kondomen ist, kann sie diese wohl nirgends verhindern — sie beteiligt sich nur selbst nicht daran.
  2. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß jemand, der die Ermahnung der Kirche zu Monogamie und Abstinenz ignoriert, dann aufgrund dieser gleichen kirchlichen Position auf die Verwendung eines Kondoms verzichtet.
  3. Es gibt daher keinen kausalen Zusammenhang zwischen der kirchlichen Position zu diesen Dingen und der Verbreitung von AIDS.

Gleichzeitig hatte ich im Hinterkopf, daß die Verteilung von Kondomen wahrscheinlich schon ihr Gutes hat, weil dadurch eben gerade diejenigen Menschen, welche die kirchliche (und christliche/biblische!) Beschränkung von sexueller Aktivität auf die monogame Ehe nicht akzeptieren, vor der Ansteckung mit HIV geschützt werden.

Nun lese ich jedoch in einem Interview mit Edward C. Green, dem Direktor des Aids Prevention Research Center an der Universität Harvard, folgende Reaktion auf die Aussagen des Papstes vor ein paar Tagen:

“Der Papst hat recht, oder um es besser auszudrücken, die besten Forschungsergebnisse, die wir haben, unterstützen die Aussagen des Papstes. Er betont daß ‘Kondome sich in der Bevölkerung als nicht effektiv herausgestellt haben’.

Unsere Studien, einschließlich der von der US-Regierung finanzierten ‘Demographic Health Surveys”, zeigen eine konsistente Verbindung zwischen höherer Verfügbarkeit und Verwendung von Kondomen und höheren (nicht niedrigeren) HIV-Infektionsraten. Das ist wahrscheinlich teilweise zurükzuführen auf ein als Risiko-Kompensierung bekanntes Phänomen: wenn man eine Risiko-reduzierenede Technik wie z.B. Kondome verwendet, wiegt man sich in Sicherheit und geht infolgedessen größere Risiken ein, als wenn man diese Technik nicht zur Verfügung hätte.

Ich sehe, daß der Papst auch Monogamie (nicht einfach Abstinenz) als beste Antwort auf die afrikanische AIDS-Krise erwähnt hat. Die besten und neuesten empirischen Daten zeigen daß die Reduzierung mehrfacher und gleichzeitiger sexueller Partner tatsächlich die wichtigste Verhaltensänderung ist, wenn es um die Reduzierung der HIV Infektionsrate geht (ein weiterer wichtiger Faktor ist die männliche Beschneidung).”

Green fügte dann noch hinzu:

“Mehr und mehr AIDS-Experten beginnen diese Schlußfolgerungen zu akzeptieren. Die beiden Länder mit den schlimmsten AIDS-Epidemien, Swaziland und Botswana, haben beide Kampagnen begonnen mit dem Ziel, die Anzahl mehrfacher und gleichzeitiger Sexualpartner zu verringern und die Treue in monogamen Beziehungen zu stärken.”

Vielleicht sollten wir uns als evangelikale Christen ein Beispiel an der katholischen Kirche nehmen, wenn es darum geht, biblische Werte zu vertreten, auch dort, wo sie in der Gesellschaft nicht gut ankommen oder mit Häme abgetan werden. Früher oder später stellt sich heraus, daß Gott und Sein Wort doch recht haben und immer schon recht hatten.


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