Was macht Abtreibung plausibel?
Was macht Abtreibung undenkbar?
2009-03-12 - wnp - Keine Kommentare
Dieser Artikel ist eine bearbeitete Mitschrift einer Predigt, die Dr. R. Albert Mohler Jr., Präsident des Southern Baptist Theological Seminary in Louisville, Kentucky, am 18, Januar 2009 anläßlich des “Tages der Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens” hielt. Copyright © 2009 by R. Albert Mohler. Übersetzung: Wolf N. Paul. Bibelübersetzung: Schlachter 2000, © Genfer Bibelgesellschaft.
Wenn auch manche Dinge bei uns anders laufen, als in den Vereinigen Staaten, so haben wir doch eine Situation hier in Österreich, wo Abtreibung, zumindest im Rahmen der Fristenlösung, geduldet wird, und jede öffentliche Diskussion darüber möglichst schnell abgewürgt wird. Und es gibt Bestrebungen, in der UNO und in der Europäischen Union, jede Einschränkung des Abtreibungsrechts, wie sie auch die Fristenlösung darstellt, zu ächten, und Druck auf Staaten auszuüben, solche Einschränkungen abzuschaffen.
Deshalb würde es uach Christen in Österreich guttun, sich mit den geistlichen Implikationen dieser Situation auseinanderzusetzen. Dazu soll dieser Artikel (eigentlich eine Predigt-Mitschrift) dienen.
Ich begrüße Euch im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dem dreieinigen Gott – Vater, Sohn, und Heiliger Geist – dem Lebensspender.
Ich lade Euch ein, mit mir das erste Kapitel des Buches Jeremia aufzuschlagen, und diese einleitenden Worte der Prophetie des Jeremia zu betrachten.
Wir müssen uns der Heiligen Schrift zuwenden, bevor wir uns dem Thema Abtreibung widmen. Wir dürfen nicht versuchen, über die dringenden moralischen Themen unserer Zeit nachzudenken, ohne uns zuerst der Heiligen Schrift zuzuwenden. Wir wollen klar denken, damit wir bereit sind, zu überzeugen, zu sprechen, zu intervenieren, und zu artikulieren – denn wir haben die Verantwortung, eine Antwort zu geben. Aber es ist sehr gefährlich, damit zu beginnen, ohne uns zuerst in der Welt der Bibel Orientierung zu holen. Wenn wir uns der Schrift zuwenden, wird es uns klar, daß jede Frage, vor der wir stehen, mit jeder anderen Frage, und jede Wahrheit mit jeder anderen Wahrheit zusammenhängt. Daher schaden wir unserem eigenen Argument, wenn wir einen einzelnen Faden aus dem Gewand ziehen und darüber sprechen, ohne daß wir das gesamte Gewand verstanden haben.
Wenn wir in die Welt der Bibel eintreten und Orientierung suchen, finden wir sowohl explizite Einzelaussagen der Schrift, als auch die große Gesamtgeschichte. Diese Geschicht beginng mit der Schöpfung und endet mit der Vollendung. Alle menschliche Erfahrung, die ganze menschliche Geschichte, alles was wir wissen, ergibt so einen Sinn. Wir begreifen, daß nach der Schöpfung der Sündenfall kam, und daß wir daher in einer sündigen Welt leben. Wir verstehen, daß die Schöpfung Gottes vollkommenen Plan repräsentiert, daß die Menschen jedoch Sünde in diese Welt gebracht haben. Deshalb ist alles, was wir heute von der Welt erleben und erfahren, ein Erlebnis einer gefallenen Welt. Und in einer gefallenen Welt sind es nicht nur die Menschen, die schlimme Dinge tun. In einer gefallenen Welt schreit jedes Atom und jedes Molekül des gesamten Kosmos nach Erlösung. Die Dinge sind jetzt nicht so, wie sie sein werden, wie Gott sie haben möchte, und wie Er sie auch wieder herstellen wird.
Wenn wir in die Welt der Bibel eintreten, beginnen wir Gottes Plan auf eine Weise zu verstehen, die uns die gesamte Menschheitsgeschichte verständlich macht, indem sie alles in einen größeren Zusammenhang stellt. Es geht bei dieser Geschichte nicht nur um die Erschaffung einer Welt, die von ihrem Schöpfer für gut erklärt wurde, auch nicht nur um den Sündenfall und die damit verbundene Katastrophe, die dazu geführt hat, daß nichts ganz richtig oder genau so ist, wie es sein soll. Wir beginnen unser eigenes Erleben als Gefallensein zu verstehen; wir blicken in den Spiegel und sehen den Beweis des Sündenfalls.
Wir beginnen zu verstehen, daß Gottes Ziel war, Seinen Namen zu verherrlichen durch die Erlösung eines Volkes, das mit Seinem Namen gerufen würde, erlöst durch das Blut Seines eigenen Sohnes. Wir beginnen zu verstehen, daß das große Thema der Bible Erlösung heißt. Vom Anfang bis zum Ende weist alles hin auf Kreuz und Auferstehung, und das Evangelium wird zu einer großartigen Darstellung der Herrlichkeit Gottes. Im Evangelium zeigt sich Gott als noch viel herrlicher, als Er es als bloßer Schöpfer gewesen wäre, denn nun ist er Schöpfer und Erlöser.
Wir beginnen auch zu verstehen, dass die Geschichte ein Ziel hat – die Geschichte steuert auf etwas zu. Gott war ihr Anfang, als Schöpfer, und Gott wird alle Dinge ihrer vollkommenen Bestimmung zuführen. Und weil Jesus Christus selbst Alpha und Omega ist, der Anfang und das Ende, steuert die Geschichte auf Jemanden zu.
Wenn wir daher die Welt der Bibel betreten, merken wir, daß uns die Bibel nicht nur ganz klare Grundsätze und Lehren, sondern auch Prämissen, vorausgesetzte Grundannahmen, zeigt, die Teil der barmherzigen Offenbarung Gottes an uns sind.
Nun wollen wir gemeinsam Jeremia 1, 1-10 betrachten:
Die Worte Jeremias, des Sohnes Hilkias, von den Priestern, die in Anatot im Land Benjamin wohnten, an welchen das Wort des Herrn erging in den Tagen Josias, des Sohnes Amons, des Königs von Juda, im dreizehnten Jahr seiner Regierung, und auch in den Tagen Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis zum Ende des elften Jahres Zedekias, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis zur Wegführung Jerusalems im fünften Monat.
Und das Wort des Herrn erging an mich folgendermaßen: Ehe ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich ersehen, und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt; zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt!
Da sprach ich: Ach, Herr, Herr, siehe, ich kann nicht reden, denn ich bin noch zu jung!
Aber der Herr sprach zu mir: Sage nicht: “Ich bin zu jung”; sondern du sollst zu allen hingehen, zu denen ich dich sende, und du sollst alles reden, was ich dir gebiete! Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der Herr.
Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an; und der Herr sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund! Siehe, ich setze dich am heutigen Tag über die Völker und über die Königreiche ein, um auszurotten und niederzureißen, und um zu zerstören und abzubrechen, um zu bauen und zu pflanzen.
Was für eine Stellenbeschreibung! Der Prophet Jeremia empfängt hier eine Stellenbeschreibung vom Herrn, der zu ihm sagt, “Das ist was du tun sollst: Du sollst ausrotten und niederreißen, zerstören und abbrechen, bauen und pflanzen.” Und wir wissen, daß der Herr den Propheten Jeremia genau dazu gebrauchte, in seinem Dienst unter dem Volk Gottes.
Achtet aber ganz besonders darauf, wie Jeremiah seine Berufung durch den Herrn beschreibt. Jeremiah hat sich diesen Job nicht selbst erfunden, er hat sich nicht selbst für diese Aufgabe ernannt. Jeremia hat sich nicht selbst zum Propheten berufen. Nein, der Herr hat Jeremia berufen.
Als der Herr zu Jeremia sprach, sagte er, “Bevor ich dich machte, kannte ich dich.” Faszinierend, nicht wahr? “Bevor ich dich machte,” sagte Gott, “kannte ich dich.” Und dann sprach der Herr weiter zu Jeremia, und sagte, “Bevor du geboren wurdest, heiligte ich dich.” Das heißt, Gott hat Jeremia ausgesondert – “Ich habe dich zum Propheten für die Völker bestimmt.”
Hören wir auf diese Wörter: machte, kannte, heiligte, bestimmt. Das sind kraftvolle Verben, die göttliches Handeln offenbaren. Gott sagt, “Ich habe diese Dinge getan, und ich habe sie getan bevor du geboren wurdest, bevor ich dich gemacht habe.”
Wir sehen hier den Ursprung der biblischen Weltanschauung, wie sie Jeremia betrifft. Das allererste, was Gott sagt, ist, “Ich habe dich gemacht.” Er spricht von der Zeit bevor er Jeremia gemacht hat, aber das erste, was Er sagt, ist, “Ich habe dich gemacht.” Jeremia ist kein Zufallsprodukt. Im Schoß seiner Mutter ist Jeremia nicht einfach ein Klumpen von biologischem Material. Vom Moment seiner Zeugung an hat der heilige und allmächtige Gott Jeremia gemacht – zu Seiner eigenen Ehre. Und schon bevor der Herr Jeremia machte, kannte Er ihn.
Nun, wie kennt der Herr Jeremia? Jeremia kennt Ihn als seinen Schöpfer. Er kennt Ihn, weil lange vor der Zeugung, die stattfand und die Jeremia im Schoß seiner Mutter hervorbringen würde, ein allmächtiger und allwissender Gott Jeremia kannte, weil ein allmächtiger und allwissender Gott Jeremia machte. Wie entstand Jeremia? Vater, Mutter, Zeugung, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt – ja, aber vor allen diesen Dingen, Gott.
Die Welt der Bibel verrät uns so viele Dinge, die viele Menschen einfach ignorieren würden. Jeremia empfängt seinen Ruf, gegründet in der Tatsache, daß Gott zu ihm sagt, “Ich hab dich nicht lange beobachtet und erst jetzt beschlossen, dich zu berufen. Das war nicht eine Probezeit, um zu sehen, ob ich dich gebrauchen kann. Nein, schon bevor es dich gab, kannte ich dich. Bevor ich dich machte, heiligte ich dich und sonderte dich aus, und bevor du je das erste Mal Atem holtest, habe ich dich bestimmt, auszurotten und niederzureißen.” Er sagt zu Jeremia, “Das ist deine Aufgabe, und es war Deine Aufgabe bevor Du je existiert hast.”
Und so sehen wir aus diesem biblischen Bericht von der Berufung des Jeremia daß jeder einzelne Mensch von Gott gemacht wird, von Gott im Mutterschoße gebildet wird.
Jetzt wollen wir Psalm 139 aufschlagen, und unsere Aufmerksamkeit vom Propheten Jeremia zu König David wenden. In Psalm 139 haben wir die vielleicht rigoroseste Autobiografie, die wir in der Heiligen Schrift finden können. David schreibt hier einen Psalm über seine eigenen Erfahrungen. Er sagt:
Herr, du erforschst mich und kennst mich! Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Du beobachtest mich, ob ich gehe oder liege, und bist vertraut mit allen meinen Wegen; ja, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht völlig wüßtest.Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar, zu hoch, als daß ich sie fassen könnte! (Verse 1-6)
Dann, in den Versen 7-12 spricht David über die Tatsache, daß er vor Gott nicht davonlaufen kann. Wo immer David auch hin flieht, findet er, daß Gott auch gegenwärtig ist. Gott ist nicht nur allmächtig und allwissen, sondern auch allgegenwärtig.
Und dann kommen wir zu der großartigen Botschaft der Verse 13-16:
Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir dafür, daß ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl! Mein Gebein war nicht verhüllt vor dir, als ich im Verborgenen gemacht wurde, kunstvoll gewirkt tief unten auf Erden. Deine Augen sahen mich schon als ungeformten Keim, und in dein Buch waren geschrieben alle Tage, die noch werden sollte, als noch keiner von ihnen war.
Wir sind von so viel erstaunlicher Technologie umgeben. Dazu gehört auch die Ultraschall-Technologie, die in den Entbindungsstationen der Spitäler Anwendung findet. Jetzt können die Ärzte bereits Miniaturkameras verwenden, die uns Einblicke in die Gebärmutter bieten, die sich frühere Generationen überhaupt nicht vorstellen konnten. Erst in den letzten zweihundert Jahren der Menschheitsgeschichte haben wir begonnen, die Entwicklung eines Menschenkindes im Schoß seiner Mutter genau zu verstehen. Früher war das alles verborgen. Vor der Ankunft moderner Medizin und Chirurgie hatten die Menschen nur im Fall von katastrophalen Verletzungen einen Einblick in den Mutterschoß. Wir aber können sehen, was den Menschen früherer Generationen verborgen war. Wir können beobachten, wie das Baby im Leib der Mutter heranwächst, wie es “gewoben wird im Schoß der Mutter.” Wir beobachten, wie das Baby Form annimmt. Wir sehen Ausdruck und Persönlichkeit im Mutterschoß. Wir sehen, wie das Baby Daumen lutscht oder seinen eigenen Fuß ergreift. Wir sehen das Baby im Schoß der Mutter lächeln und Grimassen schneiden. Bisher hat das nur Gott gesehen, aber uns hat er diesen Einblick geschenkt. Und was wir sehen ist das Wirken Gottes.
Sowohl von Jeremia als auch hier von David verstehen wir ganz klar, daß jedes einzelne menschliche Wesen von Gott geschaffen wird. Jedes einzelne Baby wird von Gott im Schoß seiner Mutter geformt. Die Welt der Bible bringt uns hier an einen Punkt, an den die meisten unserer Mitmenschen gar nicht denken. Sie können sich gar nicht ausmalen, wie es wäre, wenn man verstehen würde, daß jeder einzelne Mensch von Gott gemacht wird – in einem Akt von Gottes souveräner, vollkommener Schöpfung. Dieser Schöpfungsakt jedes einzelnen Babies bringt Gott Ehre. So weit weg ist die biblische Weltanschauung von einer Welt, in der Abtreibung denkbar ist.
Aber verlassen wir jetzt mal die Welt der Bibel, und begeben uns in diese Welt wo Abtreibung Sinn macht. In eine Welt, wo Abtreibung plausibel erscheint, wo es plausibel erscheint zu sagen, wir werden dieses beginnende Leben auslöschen, das beenden, was begonnen hat – wir werden eine Schwangerschaft beenden.
Seht ihr, von Anfang an ist diese Idee, daß der Mensch hier eingreift um Tod statt Leben zu bringen, so weit weg von der Welt der Bibel, daß sie geradezu das Gegenteil darstellt. Wir haben hier zwei Welten, die gegeneinander streiten. Und wenn wir die Welt der Bibel verlassen, und uns in diese Welt begeben, wo Abtreibung plausibel ist, erkennen wir, dass diese Welt das Gefallen-Sein in seiner extremsten Form darstellt. Es ist eine Welt, die die menschliche Sündhaftigkeit in ihrer selbst-betrügerischsen Form zur Schau stellt.
In der Welt der Bibel ist der Respekt vor dem Leben grundsätzlich, natürlich, und automatisch – der einzige Reflex, der einzige Instinkt. Der Respekt vor dem Leben gründet nicht darauf, daß wir das Leben anbeten, sondern darauf, daß wir den Schöpfer des Lebens, den souveränen Herrscher des Lebens, kennen und anbeten. Eine Welt, in der Abtreibung plausibel ist, ist eine Welt, in der wir uns das Leben nicht vorzustellen wagen als das, was es wirklich ist. Es ist eine Welt, in der das Leben als Zufall und Menschen als verzichtbar gesehen werden. In scharfem Kontrast dazu ist die Welt der Bibel eine Welt, in der die willentliche Beendigung einer Schwangerschaft undenkbar ist.
In den Vereinigten Staaten ist die Abtreibung, im wesentlichen auf Verlangen, seit 1973 legal, durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes im Fall Roe v. Wade. Diese Woche ist der 36. Jahrestag jenes Tages, als durch einen Akt des Gerichtshofes die Abtreibung in allen fünfzig Bundesstaaten mit einem Schlag legalisiert wurde. Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als einer der dunkelsten Momente der amerikanischen Geschichte.
Wir wissen heute viel mehr darüber, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist. Wir wissen, dass Richter Blackman der Autor der Urteilsbegründung für die knappe Mehrheit war, die sich in diesem Fall durchgesetzt hat. Durch seine eigenen Aufzeichnungen und durch Aussagen seiner Tochter, einer Abtreibungsaktivistin, wissen wir, daß er zuerst zu dem Entschluss kam, die Abtreibung zu legalisieren, und erst danach ein juristisches Argument dafür geschaffen hat. Dieses juristische Argument ist in sich selbst ein Gräuel. Und mit diesem Urteil, auf einen Schlag, wurde Abtreibung in allen fünfzig Bundesstaaten legalisiert. Der Gerichtshof urteilte, daß Frauen ein Recht auf Privatsphäre haben, das bis hin zu dem Recht reicht, das heranwachsende Leben in ihrem Körper zu töten.
Seit Januar 1973 haben in Amerika über 45 Millionen Abtreibungen stattgefunden, vielleicht sogar bis zu 50 Millionen. Das ist im lauf dieser 36 Jahre eine fehlende Bevölkerung, größer als die Bevölkerungen der meisten Länder dieser Erde. Wir sprechen hier von einer ganzen Generation in diesen Jahren seit 1973, deren nicht-Existenz hier auf dieser Erde, vielleicht die größte Schande der amerikanischen Nation ist.
Und dieses Thema der Abtreibung ist wieder ein aktuelles Thema, weil sie in den kommenden Wochen wieder für Schlagzeilen sorgen wird. Im Wechsel der Regierungen von einem Präsidenten zu einem anderen, werden Entscheidungen getroffen und Richtungen geändert. Und so wird eines der kontroversesten Themen unserer Tage – so nennen es die Medien – wieder Kontroversen hervorrufen.
Aber bevor Abtreibung unter uns Kontroversen hervorruft, muß sie zuerst Scham und Leiden und Schmerzen hervorbringen, wie in der Bibel, wo es heißt: “Rachel weint für ihre Kinder.”
Abtreibung kann für uns nie einfach ein kontroverses Thema sein, ein Thema der öffentlichen Diskussion oder des öffentlichen Konflikts. Abtreibung ist, für uns, viel mehr. Abtreibung berührt die Herrlichkeit und Ehre Gottes selbst, sowie die Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein.
Wir versuchen hier, in eine Welt einzutretet, in der Abtreibung Sinn macht. Und Abtreibung kann nur dann Sinn machen, wenn das menschliche Leben verzichtbar ist. Damit Abtreibung Sinn macht, muß das individuelle Leben auf einer Skala beurteilt werden – von lebenswertem Leben zu einem Leben, das nicht lebenswert ist.
Die Bibel kennt keine solche Skala. Jedes Wort der Heiligen Schrift lehnt sich gegen eine solche Idee auf. In der Welt der Bibel ist jeder Mensch und alles Leben heilig, um Gottes Willen. Und jedes einzelne menschliche Leben ist heilig und schützenswert, weil jeder einzelne Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist. In der Welt der Bibel lernen wir verstehen, daß jeder einzelne von uns Würde hat, nicht, weil wir diese Würde verdient hätten, sondern weil wir Geschöpfe eines souveränen, allmächtigen und heiligen Gottes sind, der uns nach Seinem Ebenbild geschaffen hat.
Jeder einzelne Mensch unterscheidet sich von allen anderen Lebensformen, weil nur der Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist. Und, geschaffen in Gottes Ebenbild, unterscheiden wir uns von der ganzen restlichen Schöpfung.
Wir verstehen nicht alles, was die Bibel meint, wenn sie sagt, daß wir – Männer und Frauen – im Ebenbild Gottes geschaffen sind, aber wir wissen, daß wir das einzige Geschöpf sind, das den Schöpfer kennen kann. Wir sind das einzige Geschöpf, das mit Ihm Gemeinschaft haben kann. Wir sind das einzige Geschöpf mit einem moralischen Bewußtsein, das hinausschreit, daß es einen Schöpfer gibt, der uns richten wird. Wir sind das einzige Geschöpf, das Gottesdienst kennt.
Jedes einzelne Atom und Molekül des Universums verkündet die Herrlichkeit Gottes. Jedes einzelne Tier verkündet die Herrlichkeit Gottes. Der Tiger, als Tiger, verkündet die Herrlichkeit Gottes. Der Fisch, als Fisch, verkündet die Herrlichkeit Gottes. Die Spinne, als Spinne, verkündet die Herrlichkeit Gottes (ob Du es glaubst oder nicht).
Aber kein Fisch und keine Spinne und kein Tiger hat je von der Herrlichkeit Gottes gesprochen. Kein Tiger weiß, daß er zu Gottes Ehre geschaffen wurde. Es hat nie einen Tiger mit dieser Art moralischen Bewußtseins gegeben. Es hat noch nie eine National Geographic-Fernsehsendung gegeben wo der Tiger im Dschungel seine Beute jagt, reißt, und verschlingt um danach innezuhalten und zu sagen, “Hoppla, ich mach mir Sorgen, ich bin ja viel zu gewalttätig, und ich weiß gar nicht, wo das herkommt! Ich sehe in den Spiegel und bin schockiert, was ich da sehe!” Nein, der Tiger tut, was er tut und hat dabei absolut keine Schuldgefühle.
Wir sind anders. Die Bibel sagt uns, daß jeder Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist, und das heißt daß jeder Mensch für Bund und Gemeinschaft geschaffen ist. Jeder einzelne Mensch – egal welcher Ethnizität, welcher Hautfarbe, welchen Alters, welcher Entwicklungsstufe – jeder einzelne Mensch ist für Bund und Gemeinschaft geschaffen.
Was bedeutet das? Es bedeutet, daß wir geschaffen sind, um in einer Beziehung zu Gott zu stehen. Es bedeutet, daß Gott uns zu Seiner Ehre geschaffen hat, weil er einen Plan für uns hat. Er hat uns zu Seiner Ehre geschaffen, damit wir Ihn kennen mögen. Zu Seiner Ehre, weil er von uns gekannt sein will und von uns angebetet werden will. Es bedeutet, daß jeder einzelne Mensch in Gottes Ebenbild geschaffen ist, “Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.” Wir sind für den Bund geschaffen. Wir sind zur Gemeinschaft geschaffen.
Verlassen wir diese Welt wieder und begeben uns in die andere Welt, in der Abtreibung Sinn macht. Abtreibung kann nur in einer Welt Sinn machen, in der das menschliche Leben verzichtbar und verhandelbar ist, und nur genau das wert ist, was wir dafür zu geben bereit sind. Die Welt, in der Abtreibung Sinn macht ist eine Welt, in der es auch Sinn macht zu sage, “Dieses Leben ist lebenswert, und dieses Leben ist nicht lebenswert.”
Abreibung macht Sinn in einer Welt, in der wir das Leben vom Standpunkt der Bequemlichkeit aus betrachten: das eine Leben ist bequem und passt in unser Schema, das andere ist unbequem und störend. Das eine kommt zur rechten Zeit, das andere zur Unzeit.
Abtreibung macht Sinn in einer Welt, in der wir fragen, “Können wir uns dieses Leben leisten?” Das Leben so ökonomisch zu betrachten ist nur möglich in einer Welt, wo das menschliche Leben keine inherente Würde hat, wo man nicht davon ausgeht, daß jedes einzelne Menschenleben unendlich wertvoll ist, weil jeder einzelne Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist. Abtreibung macht nur in einer Welt Sinn, in der man sagen kann, “Es gibt Leben, die es wert sind, daß man sie leben läßt, und andere, die uns nicht abgehen würden.”
Ein wesentlicher Aspekt der Abtreibungsdebatte ist der moralische Charakter der Tat, ein ungeborenes Menschenleben zu beenden. Wir leben in einem Zeitalter der Euphemismen – Worte, die die wahre Natur der Dinge verschleiern. Wenn man von Abtreibung spricht, dan spricht man von Tötung, von Mord, davon, willentlich einem Menschen das Leben zu nehmen. Und, ganz klar gesagt, einem Menschen nicht nur willentlich sondern gewaltsam das Leben zu nehmen.
Als Christen sollten wir uns immer die Klarheit der Heiligen Schrift vor Augen halten. Die Bibel verwendet keine Euphemismen, sie schreckt nicht davor zurück, die Dinge so zu beschreiben und zu benennen, wie sie sind und benannt werden müssen. Genauso sollten wir es halten. Wenn wir von Abtreibung sprechen, dann sprechen wir davon, einem Baby eine Salzlösung, oder andere Chemikalien, in den Körper zu spritzen, so daß es stirbt und vom Leib der Mutter ausgestoßen wird. Oder wir sprechen davon, daß das Baby im Leib der Mutter auseinandergerissen und Stück für Stück herausgezogen wird. Oder im Fall von Spätabtreibungen, die zu Recht partial birth abortion, Abtreibung nach teilweiser Geburt, genannt werden, sprechen wir von einer Situation, wo das Kind teilweise aus dem Geburtskanal herausgelassen wird – teilweise geboren wird. Dann kann man es töten, bevor es ganz aus dem Geburtskanal heraugekommen ist; denn sobald es ganz herausgekommen ist, wäre die Tötung rechtlich gesehen ein Tötungsdelikt.
Seht Ihr, in der Welt der Abtreibung macht es Sinn, daß hier in einem Spitalzimmer außergewöhnliche technologische Einrichtungen dazu dienen, auf wunderbare Weise ein Baby zu retten, das mit 21-22 Wochen, oder inzwischen sogar noch früher, geboren wurde. Die Neonatal-Technologie ist absolut erstaunlich. In der Welt der Abtreibung macht es Sinn, diese Technologie und ihre Möglichkeiten in einem Raum des Krankenhauses zu feiern, während ein paar Türen weiter, ein Baby im gleichen Entwicklungszustand, oder sogar weiter entwickelt, getötet wird, weil es angeblich das Recht der Mutter ist, diese Entscheidung zu treffen.
In der Welt der Bibel geht es nicht in erster Linie um unsere Rechte, sondern um die Herrlichkeit Gottes. Unsere Recht haben ihren rechtmäßigen Platz nur im Rahmen der Herrlichkeit Gottes. In der Welt der Abtreibung dagegen beginnen wir mit unseren Rechten, und in unserem Land ist es gesetzlich festgehalten, daß die Frau dieses Entscheidungsrecht hat. Welches Recht haben wir, einem anderen das Leben zu nehmen? In welcher Welt macht es Sinn, moralisch und rational über das Entscheidungsrecht der Frau zu sprechen? Ist uns klar, daß Millionen von Amerikanern denken, das dieses Entscheidungsrecht vielleicht das grundlegendste Recht überhaupt ist?
Ein sehr interessantes Phänomen auf dem Weg hin zur gesetzlich erlaubten Abtreibung ist es, daß sich die feministische Bewegung und die Bewegung für das Recht auf Abtreibung verbündet haben. Das war nicht immer so. In ihren Anfängen war die feministische Bewegung sehr stark für den Lebensschutz und gegen die Abtreibung. In den 1960er Jahren jedoch kamen diese beiden Bewegungen zusammen in dem Argument, daß eine Frau dieses Recht haben muß – das Grundrecht, eine Schwangerschaft zu beenden. Ohne dieses Recht wären die Frauen den Männern niemals gleichgestellt, so argumentierte man, weil die Männer bei ihrer Karriereplanung keine Rücksichten auf Schwangerschaften nehmen müssen.
Nehmt Euch mal die Zeit – und es ist unsere Pflicht, das zu tun, in diese Welt einzutreten, und dieses Thema der Abtreibung von diesem Standpunkt aus durchzudenken. Ihr werden verstehen lernen, daß Abreibung Sinn macht für Menschen, die davon ausgehen, daß es in unserem Leben in erster Linie um unsere Rechte geht – daß wir Menschen sind, die auf unseren eigenen zwei Füßen stehen, daß wir autonome Menschen sind, die niemandem Rechenschaft schuldig sind, daß wir moralisch eigenverantwortliche Wesen sind, und daß wir das Recht haben, zu entscheiden, wer leben darf und wer sterben soll.
In der Welt der Bibel ist das einfach undenkbar. In einer Welt, die mit der Souveränität Gottes beginnt, ist das völlig unvorstellbar. In einer Welt des Evangeliums, der Heiligen Schrift, lautet die Frage: wie können wir treu sein, und in jeder Dimension unseres Lebens die Herrlichkeit Gottes widerspiegeln?
Wir lernen verstehen, daß wir die Herrlichkeit Gottes verfehlen, daß wir aber für eben diese Herrlichkeit und Ehre Gottes geschaffen sind. Das auf den Kopf zu stellen, und zu meinen, daß wir selbst entscheiden dürfen, wer der Richter über Leben und Sterben sein soll – das ist undenkbar.
In der Welt, in der Abtreibung Sinn macht, müßten wir von potentiell lebenswertem Leben sprechen, das potentiell Würde besitzt. Wir müßten davon sprechen, daß Leben vielleicht wertvoll und schutzwürdig ist. Man sieht sofort, wohin dieser “schlüpfrige Abhang” führt, weil wir dann in jedem Einzelfall entscheiden müssen, welches Leben lebenswert ist, und welches nicht.
Wenn wir die lange Reihe der Schrecken des Zwanzigsten Jahrhunderts betrachten, dann fällt einer davon sofort als leicht zu identifizieren auf: die medizinische Ethik in Deutschland vor und während des Dritten Reiches. In Deutschland wurde damals ein eigener philosophischer Begriff geprägt, “lebensunwertes Leben,” der zur Grundlage der mörderischen Schreckenstaten des Nazi-Regimes wurde. Man hat damals eine Werteskala eingeführt, von Leben, das definitv des Lebens würdig war, hin zu Leben, das definitv nicht würdig war. Das wertvolle Leben war das der “Arier”, die man für physisch und genetisch überlegen hielt, die zum Wohl, zur Verteidigung und der Politik des Dritten Reiches beitragen konnten. Und das wertlose, lebensunwerte Leben: Zigeuner, Homosexuelle, geistig und/oder körperliche Behinderte, Juden.
Wir blicken zurück auf auf das Dritte Reich, und die medizinische Ethik, die dazu geführt hat, und wir fragen uns, wie es sein konnte, daß Ärzte, die doch zumindest in der weltlichen moralischen Ethik des Hippokratischen Eides geschult waren, wie solche Ärzte zu Handlangern des Todes werden konnten, statt zu Dienern des Lebens? Weil sie diese Ideologie einer Skala akzeptiert hatten, in der unterschieden wird zwischen würdigem und unwürdigem Leben. Und wenn man das in Bezug auf Juden, und Zigeuner, und andere, tun kann, warum dann nicht auch in Bezug auf menschliches Leben in unterschiedlichen Entwicklungsstufen?
Wir in den Vereinigten Staaten wären entsetzt bei der Vorstellung, daß wir ein Volk sind, das Konzentrationslager produzieren könnte, um Menschen auszulöschen, die wir des Lebens für unwürdig erachten. Nun, wir haben vielleicht nicht Menschen aufgrund ihrer Rasse oder Ethnie ausgelöscht, aber wir haben genau das auf der Grundlage der individuellen Entwicklungsstufe getan. Wir haben als Volk beschlossen – durch die Entscheidung unseres Obersten Gerichts und indem unser politisches System dem tatenlos zugesehen hat, daß wir ungeborenes menschliches Leben für potentiell “unwürdig” erklären können.
Eines der unglaublichsten Dinge beim Ende des Zweiten Weltkriegs war die Entdeckung der Konzentrationslager durch die vorrückenden Soldaten der Allierten. In ihrem Vormarsch immer tiefer hinein nach Deutschland und die Gebiete under deutscher Kontrolle, kamen diese Soldaten schließlich zu diesen Todeslagern. Das erstaunliche war, daß diese Lager nicht irgendwo isoliert, abgelegen waren – sie waren vielmehr umgeben von Dörfern und Städten, deren Bürger in diesen Lagern arbeiteten – in einer Art industrialisierten Mordes.
Nach dem Krieg beschloß General Eisenhower, daß all diese Menschen, die rund um die Lager gelebt und sogar in ihnen gearbeitet hatten, diese Lager besichtigen mußten. Es gibt bemerkenswerte Bilder und Filmmaterial von diesen deutschen Bürgern – Hausfrauen, und Fleischer, und Bäcker, usw, sowie ihre Kinder – wie sie durch diese Lager marschieren um zu sehen, was sie getan hatten.
Ich glaube, der Tag wird kommen, an dem die Amerikaner die Abtreibungskliniken besichtigen werden müssen. Wir werden zu der Erkenntnis kommen müssen, daß wir uns diese Ideologie des “lebensunwerten Lebens” im Herzen unserer nationalen Existenz zu Eigen haben, daß wir unsere eigene Industrie des Mordens haben.
Abtreibung macht nur Sinn in einer Welt, in der nicht jedes einzelne menschliche Leben im Ebenbild Gottes geschaffen ist – wo manches Leben wertvoll, und maches Leben unwert ist. Das ergibt nur in einer Welt Sinn, in der das Leben nicht nur an seinem Anfang sondern auch an seinem Ende verzichtbar ist. Man kann nicht ein Thema für sich allein betrachten; wie wir am Anfang gesagt haben, hängen die Dinge alle zusammen, jedes moralische Thema hängt mit allen anderen moralischen Themen zusammen, und jede Frage mit jeder anderen Frage.
Wir können nicht nur von Abtreibung reden, denn heute müssen wir auch von Euthanasie sprechen. Wenn wir von der Unversehrtheit des menschlichen Lebens sprechen, dann meinen wir nicht nur seinen Anfang und seine Mitte, sondern auch sein Ende. Im Bundesstaat Washington hat das Volk in einer demokratischen Abstimmung am 4. Novembe des Vorjahres, für das gestimmt, wofür das Volk ihres südlichen Nachbarn Oregon bereits vor zehn Jahren gestimmt hatten: den ärztlich unterstützten Selbstmord zu legalisieren. Lebensunwertes Leben – nicht nur am Anfang, im Mutterschoß, sondern auch am Lebensende. Nach und nach, Bundesstaat nach Bundesstaat, in einer nationalen Bewegung, sprechen wir davon, daß Menschen in gewissen Lebensabschnitten zu teuer zu erhalten sind, und ihr Leben zu bedeutungslos ist, um geschützt zu werden.
In Nazi-Deutschland wurde aus dem “Recht zu Töten” eine “Pflicht zu Töten”, und aus dem “Recht zu sterben” eine “Pflicht zu sterben.” Schleichend greift diese selbe Logik auch in unserem Land um sich, zum Beispiel bei den Kosten der Gesundheitsvorsorge. In Diskussionen zu diesem Thema kann man durchaus Gespräche in dieser Richtung hören: “Denk nur daran, dass XX% der medizinischen Gesamtkosten in diesem Land Menschen in ihren letzten beiden Lebensjahren zugute kommen. Wenn wir diesen Zeitraum abkürzen könnten, wieviel würden wir uns da ersparen!”
Aber um welchen Preis?
Und es geht auch nicht mehr nur um Abtreibung und Euthanasie, wir stehen vor einem veritablen Holocaust, einer Massenvernichtung von menschlichen Embryonen. Denn jetzt gibt es, im Zug der medizinischen Forschung an menschlichen Embryonen, die Herstellung von menschlichen Embryonen allein zu dem Zweck, sie im Rahmen der Forschung wieder zu zerstören. Und darin wird eine heimtückische Logik sichtbar – die Logik der gefallenenWelt, nicht die Logik der Bibel, nicht die Logik einer Welt, in der Gott der Schöpfer und jeder Mensch, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, im Ebenbild Gottes erschaffen ist. Es ist eine ganz andere Welt, eine Welt in der wir sagen, “Jetzt können wir Menschen erschaffen und wieder zerstören, denn in diesem embryonalen Stadium können wir sie nicht wirklich sehen.”
Und wenn wir auf diesem Weg weitergehen, dann leugnen wir in Wirklichkeit, daß diese Embryonen Menschen sind. Wir finden uns die Argumente, um zu leugnen, daß sie Menschen sind. Wir leugnen ihre Persönlichkeit – ihr Mensch-Sein – und benützen sie. Wir entnehmen ihr genetisches Material, und dann zerstören wir sie, um medizinisches Wissen und Behandlungsmöglichkeiten voranzutreiben.
Hört mir gut zu: natürlich sehnen wir uns nach dem Tag, und beten für den Tag, wenn es erfolgreiche Behandlungsmethoden für Alzheimer, Parkinson und Diabetes gibt. Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem jemandem das durchtrennte Rückenmark erfolgreich wieder zusammengefügt werden kann und dann auch das ganze Nervensystem und die Motorik wieder funktioniert, weil Stammzellen umprogrammiert wurden. Aber die Realität ist, daß wir dazu nicht wirklich menschliche embryonale Stammzellen verwenden müssen. Die Tatsache, daß dieses Land und sein medizinischer Bereich so versessen sind darauf, Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen zu betreiben ist der Beweis, daß wir bereit sind Leben zu zerstören, auch wenn es Alternativen gibt.
Und in diesen Dingen erschöpft sich die Problematik auch noch nicht. Wenn wir die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens betrachten, dann sehen wir sie auf so vielen Ebenen und aus sovielen Richtungen, und mit so vielen Begründungen angegriffen. Aber das zentrale Thema bleibt das Thema der Abtreibung. In einer Welt, in der Abtreibung Sinn macht, machen auch alle diese anderen Dinge Sinn. In einer Welt, in der Abtreibung keinen Sinn macht, machen auch alle diese anderen Dinge keinen Sinn. Und so lange wir Abtreibung tolerieren, so lange wir uns mit Abtreibung arrangieren, solange wir Abtreibung ausschließlich als moralische Frage sehen, solange werden wir als Gemeinde, als Kirche, versagen.
Bei der Abtreibung geht es um das Evangelium
Bei der Abtreibung geht es um das Evangelium, weil das Auslöschen und Beendigen eines Lebens im Mutterleib nicht nur Mord ist, sondern Gott seiner Herrlichkeit beraubt – der Herrlichkeit, die Ihm rechtmäßig zusteht, und die in jedem einzelnen menschlichen Leben sichtbar wird.
Abtreibung ist eine Geste des Trotzes gegenüber dem Schöpfer. Ist es eine Gewalttat gegenüber diesem ungeborenen Kind? Ja, natürlich ist es eine Gewalttat, die sogar bis zum Mord geht. Aber es ist auch eine Geste des Trotzes gegenüber Gott. Es ist eine Geste, die Gott willentlich die Ihm gebührende Ehre vorenthält. Gott hat diesen Menschen in Seinem Ebenbild erschaffen. Bevor dieser Mensch im Mutterleib geformt wurde, war sie oder er bereits dem Schöpfer bekannt, und bevor sie oder er geformt wurde, hat Gott sie oder ihn bereits geliebt.
Als dieses Baby zerstört wurde, als diese Schwangerschaft beendet wurde (welch ein Euphemismus!), ging es um das Evangelium, weil wir wissen, dass dieses Leben, das beendet wurde, ist nicht einfach ein menschliches Leben, sondern eine Person, die ganz, ganz dringend zu leben verdiente, und lebend, ganz dringend das Evangelium hören mußte.
Seht ihr, jedes Leben, das da beendet wird, ist ein Leben, das für den Bund mit Gott, für die Gemeinschaft mit Gott erschaffen wurde. Und eben dieses Leben wird absichtlich zerstört von Menschen, deren Abneigung gegen das Leben, und deren Auflehnung gegen Gott so extrem sind, daß sie zu Agenten des Todes statt Agenten des Lebens werden.
Bei der Abtreibung geht es immer um das Evangelium, weil wir nie, auch nicht in weltlichen Begriffen, einfach davon reden können, daß der Mensch dem Tier überlegen ist. Wir können nicht sagen, daß Menschen eine besondere Würde verdienen, weil wir Wesen mit Sprache, Selbstbewußtsein, einem Sinn für die Zukunft, oder mit Humor sind.
Einige Anthropologen sagen, daß es einen Unterschied zwischen Mensch und Tier gibt, daß es aber zunehmend schwieriger ist, diesen Unterschied festzumachen. Vor kurzem habe ich allen Ernstes gelesen, daß der Unterschied der ist, daß wir Humor haben. Heiß das, daß wir Autofahren dürfen, und die Tiere nicht, weil wir lachen? Das ist die Verrücktheit einer Welt in Auflehnung gegen Gott. Wir verstehen vielmehr, daß jeder einzelne Mensch im Ebenbild Gottes erschaffen ist, und daß das Auslöschen dieses Menschen ein Auslöschen des Ebenbildes Gottes ist, im Mutterleib.
Wir beginnen auch zu verstehen, daß Abtreibung ein Bild ist, aus der Perspektive des Evangeliums, warum wir dieses Evangelium so dringend brauchen: Weil wir Menschen sind, die zu soetwas im Stande sind. Und die große Gefahr ist, daß wir heute hier sind, als Christen am Tag des Herrn, und Abtreibung als ein Problem der Anderen sehen, an dem die Anderen Schuld sind. Es ist unser Problem, weil es ein Bild der sündigen Menschheit ist. Brüder und Schwestern, das ist, was wir sind. Wir sind Menschen, die den Tod wählen statt des Lebens, wenn wir unseren eigenen Weg gehen. Wir sind die Menschen die, jeder auf seine Weise, “alle in die Irre gingen wie die Schafe” wie Jesaja sagt, unsere eigene Rebellion gegen Gott auf die Beine gestellt haben – und wir tun es, und wir haben es getan.
Bei der Abtreibung geht es um das Evangelium, weil sie eine so grafische Sünde ist, daß sie uns geradewegs auf das Zentrum der menschlichen Rebellion gegen Gott hinweist, daß sie uns geradewegs auf das Zentrum der Ursache hinweist, warum wir so dringend Christus brauchen.
Einige lesen oder hören das vielleicht heute, oder vielleicht in zehn Jahren, und da sind Menschen darunter, die eine Abtreibung erlebt haben, oder auch mehrere Abtreibungen. Menschen, die von leeren Fußschritten verfolgt werden, Menschen, denen jeder Anblick eines Kinderwagens Gewissensbisse verursacht.
Ich habe eine Gute Nachricht für dich! Ich weiß was du bist. Du bist ein Mörder, eine Mörderin. Ich habe eine Gute Nachricht für dich! Ich weiß was du bist. Du bist ein Sünder, eine Sünderin. Ich habe eine Gute Nachricht für dich! Es gibt einen Heiland! Und ich habe noch eine Nachricht für dich: du befindest dich in der Gesellschaft von Mördern und Mörderinnen.
Denn seht ihr, die Geschichte der Bibel, die Geschichte des Evangeliums ist, daß als Jesus Christus von Vater gesandt wurde, da haben ihn diejenigen, die er retten sollte, umgebracht. Jesus selbst hat das Gleichnis von den bösen Pächtern im Weinberg erzählt. Weil sie böse waren – ein Bild unserer menschlichen Bosheit – haben sie den Sohn umgebracht, den der Besitzer des Weinbergs zu ihnen gesandt hatte.
Ich sage dir, wenn du dich für Abtreibung entschieden hast, wenn Du eine Abtreibung erlebt hast, du bist ein Mörder, eine Mörderin. Aber du bist in Gesellschaft von ebensolchen Mördern und Mörderinnen, die Blut an den Händen haben, weil die sündige Menschheit den sündlosen Sohn Gottes umgebracht hat.
Wenn die Geschichte hier enden würde, dann hätte der Tod gesiegt, dann hätte die Sünde gesiegt, und das wäre das Ende. Wir hätten nichts zu sagen, und würden einfach heimgehen und unser restliches Leben in Verzweiflung und ohne Hoffnung verbringen.
Aber die Geschicht hört nicht hier auf, denn hier macht das Evangelium eine Kehrtwendung und sagt uns, daß wir zwar Sünder sind, über unsere eigene Vorstellung oder unser Verstehen von Sünde hinaus; daß wir zwar Gott seiner Herrlichkeit beraubt haben, und immer wieder neue Wege finden, Böses zu tun, und daß der Apostel Paulus ganz klar gesagt hat daß “alle haben gesündigt und mangeln der Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten” – aber daß Gott uns dennoch so sehr liebt! Das war sein Plan von Anfang an, bevor wir je existiert haben. Er kannte uns und er liebte uns, und bevor wir in dieser Welt geformt wurden, hatte Er einen Plan für uns und sandte Seinen Sohn, um am Kreuz zu sterben, um Sein Blut zu vergießen, um die Strafe für unsere Sünde zu bezahlen, eine Strafe, die wir nicht zahlen konnten, um an unserer Stelle zu sterben, und um so, durch diesen einen Tod, die Erlösung für Sünder zu vollbringen.
Und daher kommt die Verheißung, daß wenn wir auf Jesus vertrauen, wenn wir Christus als Herrn und Heiland kennenlernen, wenn wir an Ihn glauben, dann sind wir durch diesen Glauben gerechtfertigt. Ja, wir werden zu neuen Kreaturen in Christus, das Alte ist vergangen, und siehe, alles ist neu geworden. Die Toten sind zu Lebendigen geworden.
Seht ihr, es wäre absolut unchristlich, von Abtreibung zu reden, als wäre der Tod das letzte Wort. Wir können von Abtreibung reden, weil wir die Menschen sind, die wissen, daß das letzte Wort Leben ist. Wir sind die Menschen, die wissen, daß in der großartigen Geschichte dessen, was Gott tut, eine Abrechnung kommen wird. Niemand ist sicher – Abtreiber, Frauen, die eine Abtreibung gehabt haben, Ärzte, die an Abtreibungen beteiligt waren, Mörder, Ehebrecher, Lügner, Räuber, Kinder, die ihren Eltern nicht gehorchen – ihr kennt diese Aufzählungen aus der Bibel. Wir kommen da alle vor, und es trifft uns alle.
Aber das ist nicht das letzte Wort! Das letzte Wort ist, daß die Sünde ans Kreuz genagelt wurde. Und das letzte Wort ist Leben, weil wir wissen, daß die Geschichte auf ein Ende zuschleudert, auf ein Ende mit einer Abrechnung ohne Sicherheit für alle, die Jesus Christus nicht als Heiland kennen. Aber die, die Jesus Christus als Heiland und Herrn kennengelernt haben, die erleben die Vergebung der Sünden.
Und in der Vergebung der Sünden sind diese, was Gott den Vater anlangt, ausgelöscht. Erinnern wir uns noch daran, daß wir Sünder sind? Ja, weil wir noch darauf warten, daß das Vollkommene erscheint und Gott alle Dinge vollendet, und in der Zwischenzeit sehen wir noch die Folgen der Sünde in unserem Leben. Werden wir uns der Dinge erinnern, die wir getan haben? Ja, sicher. Aber wohin sollte uns diese Erinnerung führen, wenn wir an Jesus Christus glauben? Wenn wir neues Leben in Christus empfangen haben, und durch das Blut des Lammes erlöst wurden, dann sollte uns die Erinnerung an unsere Sünden zu einer immer tieferen Liebe für den Heiland führen.
Abtreibung ist eine Sache, die in unserem nationalen Gewissen brennen muß. Abtreibung ist so real und so aktuell, daß jetzt – eben jetzt – Babies im Mutterleib “beendet” werden. Abtreibung ist so eine wichtige Sache für uns, als Christen, weil es dabei ums Evangelium geht. Weil eben jetzt nicht einfach ein Baby getötet wird, nicht einfach eine Schwangerschaft beendet wird – sondern ein Leben, das Gott kannte, bevor er es im Mutterleib formte. Es ist ein Leben, das zerstört wird.
Und Brüder und Schwestern, so sehr uns das auch zum Handeln motivieren muß, so sehr uns das auch im Gewissen brennen muß, daß wir nicht ruhen können, bis diese Geißel ausgemerzt ist, so sehr all das wahr ist, so sehr muß es uns auch zum Kreuz zurücktreiben, zum Evangelium, und zu der Erkenntnis, daß nur der Leben aus dem Tod hervorbringen kann, der selbst der Urheber des Lebens von Anfang an ist.
Laßt uns beten: Unser Vater, wir sind so dankbar für Dein Wort, wir sind dankbar für dieses Wort von Jeremia, das Du zu Jeremia gesprochen hast; wir sind dankbar für dieses Wort von David, das Du zu David gesprochen hast; wir sind dankbar, daß wir zu diesem Thema kommen nicht als Menschen, die um irgendeine Erkenntnis ringen, sondern als Menschen, die Dein Wort gehört haben.
Vater, wir beten, daß Du sprichst, durch uns, zu unserer Nation, und wir beten heute, daß wir das Ende dieses schrecklichen Gräuels der legalen Abtreibungen in dieser Nation erleben werden.
Vater, wir beten um Deine Kraft für alle, die daran arbeiten, und wir beten, daß Du uns alle in diese Aufgabe hineinnimmst.
Vater, wir beten ganz besonders, falls heute Menschen hier sind, die Jesus nicht als Heiland und Herrn kennen, daß sie verstehen mögen, daß es um das Evangelium geht, wenn wir von der Unversehrtheit des Lebens sprechen. Wir beten, daß Du sie zum Kreuz des Herrn Jesus Christus hinziehst und sie erkennen, was es heißt, durch das Blut des Lammes erlöst zu sein, daß sie heute noch Jesus als Heiland und Herrn vertrauen.
Vater, laß Dein Volk frohlocken, nicht nur weil wir wissen, daß jedes einzelne Menschenleben Würde besitzt, sondern weil wir verstehen, daß jedes einzelne Menschenleben heilig ist, weil jedes einzelne Menschenleben Dir gehört.
Und nur zu Dir beten wir, im Namen Christi, Amen.



Bisher keine Kommentare
Gib einen Kommentar ab