Die Kirche muss aufhören, Ostern zu trivialisieren

2009-04-19 - wnp - Keine Kommentare

Tom Wright ist ein führender Theologe und anglikanischer Bischof von Durham in Nordengland. Er ist einer der bekanntesten Evangelikalen in der Church of England.

Die Kirche muss aufhören, Ostern zu trivialisieren

Christen dürfen die Courage nicht verlieren: die Auferstehung ist keine Metapher, sondern eine physische Tatsache.

Tom Wright

Die Zeitschrift Private Eye hat vor ein paar Jahren einen Cartoon veröffentlicht, wo der Hl. Petrus vor dem Kreuz Jesu steht und zu den anderen Jüngern sagt, “Es ist Zeit, das hinter uns zu lassen, und vorwärts zu schauen.” Das war eine Satire nicht über den christlichen Glauben, sondern über Politiker und ihre trivialisierenden Stehsätze, und ging davon aus, daß der Tod Jesu eben nicht irgendein sonderbares, aber vergeßbares Ereignis war, und daß es die Auferstehung, und nicht irgendein achselzuckender Wunsch, “vorwärts zu schauen” war, die die frühen Christen in Bewegung gesetzt hatte.

Ostern war das Pilotprojekt. Was Gott an diesem explosiven Morgen für Jesus getan hat, wird er einmal für die ganze Schöpfung tun. Wir, die wir in dieser Zeit zwischen der Auferstehung Jesu und der endgültigen Rettung und Verwandlung der ganzen Welt leben, sind dazu berufen, schon jetzt Menschen der neuen Schöpfung zu sein. Das ist die verborgene Bedeutung des größten Festes, das wir als Christen haben.

Diese wahre Bedeutung ist verborgen, weil die Kirche sie trivialisiert und die Welt sie verworfen hat. Die Kirche hat Jesu Auferstehung in ein “Happy End” nach der finsteren und chaotischen Karfreitagsgeschichte verwandelt; sie hat das Ereignis oft verkleinert und so dargestellt als ob “Auferstehung” hieße, “Er kam in den Himmel.” Ostern heiß demnach, “Es gibt wirklich ein Leben nach dem Tod.” Die Welt zuckt die Achseln. Wir glauben vielleicht an ein Leben nach dem Tod, oder auch nicht, aber wir ziehen diesen Schluß auch ohne Jesus, ohne sonderbare Geschichten über auferstandene Leichen und leere Gräber.

Aber für Juden im ersten Jahrhundert hatte “Auferstehung” nicht zu tun mit “in den Himmel kommen:” es hatte damit zu tun, daß Menschen, die physisch tot waren, plötzlich wieder physisch lebendig waren.

Manche Juden (nicht alle) glaubten, daß Gott das am Ende für alle Menschen tun würde. Aber niemand, auch nicht die Jünger Jesu, hat erwartet, daß ein einzelner Mensch mitten im Lauf der Geschichte leiblich vom Tod auferstehen würde. Deshalb sind die Auferstehungsberichte sicher keine “Wunscherfüllung”, oder das was die Sozialwissenschaft “kognitive Dissonanz” nennt. Juden im ersten Jahrhundert, die einem selbsterklärten Messias folgten wußten, daß wenn ihr Anführer von den Behörden getötet wurde, dann hatte man auf den falschen Mann gesetzt. Dann hatte man die Wahl: entweder man gab die Revolution auf, oder man suchte sich einen anderen Anführer. Herumzulaufen mit der Behauptung, er wäre vom Tode auferweckt worden, war nicht wirklich eine Möglichkeit.

Außer es stimmte. Jesus von Nazareth war am Freitag abend sicherlich tot; römische Soldaten waren Profis im Töten, und ein nicht-ganz-toter Rebellenführer wäre nicht sehr lange nicht-ganz-tot geblieben. Als die ersten Christen berichteten, was dann geschah, sagten sie nicht, “Ich glaub er ist irgendwie im Geiste immer noch bei uns” oder “Ich glaube, er ist in den Himmel gekommen.” All das sind Vorschläge von Leuten, die ihre historische und theologische Courage verloren haben.

Der Historiker muß erklären, wie das Christentum seinen Anfang genommen hat; warum es Jesus als Messias verkündigte, obwohl er hingerichtet worden war — er hatte schließlich die Römer nicht besiegt, hatte den Tempel nicht neu errichtet, oder der Welt Gerechtigkeit und Frieden gebracht, was alles vom Messias erwartet wurde –, und warum sich das frühe Christentum gerade so entwickelte, wie es geschah. Die einzige Erklärung, die paßt;t, ist die, auf der die frühen Christen bestanden — er war wirklich vom Tod auferweckt worden. Sein Leib war nicht einfach neu belebt worden. Er war verwandelt worden, sodaß Krankheit und Tod keine Macht mehr über ihn hatten.

Das müsen wir klarstellen: diese Berichte reden nicht davon, daß jemand in unsere gegenärtige Art von Leben zuückgekehrt ist. Sie reden davon, daß jemand in einer neuen Weise existierte, immer noch ganz klar leiblich, vielleicht sogar mehr so. Wenn Paulus von einem “geistlichen” Auferstehungs-Leib spricht, dann meint er nicht einen “nicht-materiellen” Leib, so wie ein Gespenst. “Geistlich” ist ein griechisches Wort, das uns nicht sagt, woraus etwas gemacht ist, sondern was es animiert. Der auferstandene Jesus hatte einen physischen Leib, der von Gottes lebenspendendem Geist animiert wurde. Und Paulus sagt, Ja, derselbe Geist is in uns am Wirken, und wird die gleiche Auswirkung haben, sowie auch in der ganzen Welt.

Plötzlich wird die wahre Bedeutung von Ostern sichtbar, und auch der wahre Grund, warum sie trivialisiert und auf ein Abstellgleis geschoben wurde. Ostern handelt von einer neuen Schöpfung, die bereits angefangen hat. Gott erneuert Seine Welt, und konfrontiert dabei all die anderen Mächte, die meinen, das wäre eigentlich ihre Aufgabe. Die reiche, weise Schöpfungsordnung und ihre herrliche, überfließende Schönheit werden bestätigt auf der anderen Seite dieser Barriere, die immer Gerechtigkeit und Schönheit bedroht — dem Tod. Die Kritiker des Christentums haben immer gespottet, daß sich ja doch nichtst geändert hat. Aber alles hat sich geändert. Die Welt ist ganz anders geworden.

Ostern wurde aufs Abstellgleis geschoben, weil seine Botschaft nicht in die herrschende Sicht der Dinge paß.t. Mindestens während der letzten 200 Jahre hat die Welt von dem Traum gelebt, daß wir es allein schaffen würden, dieser Welt Gerechtigkeit und Schönheit zu bringen.

Diese Trennung von Gott und der “realen” Welt hat ein öffentliches Leben produziert, das zwischen Anarchie und Diktatur hinundher torkelt, und eine Ästhetik, die dramatisch pendelt zwischen Sentimentalität und Brutalität. Aber immer noch wollen wir die Dinge auf unserer Art machen, obwohl wir uns über Politiker lustig machen, die vorgeben, die Welt zu retten, oder über Küstler, die von “Inspiration” sprechen, wenn sie Kühe in Formaldehyd einlegen.

Die Welt will die wahre Bedeutung von Ostern verschweigen. Der Tod ist die letzte Waffe des Tryannen oder des Anarchisten, und Auferstehung sagt, daß diese Waffe nicht das letzte Wort hat. Wenn die Kirche mit der Energie von Ostern diese doppelte Aufgabe von Gerechtigkeit und Schönheit angeht, werden wir sehen, daß sie das Gespött ihrer Kritiker zum Schweigen bringen kann, und aufs neue so von Jesus sprechen kann, daß die Botschaft gehört wird.

Dr Tom Wright ist anglikanischer Bischof von Durham und ein bekannter Theologe.


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