Was sind evangelikale Freikirchen?

Diese Webseite präsentiert Freikirchen, die Teil der evangelikalen Bewegung sind. Die evangelikale Bewegung ist vom achtzehnten Jahrhundert an als Reaktion auf Entwicklungen in den protestantischen (Landes-)Kirchen entstanden.

Evangelikale sind gekennzeichnet durch eine starke Bindung an die Bibel als die verlässliche und maßgebliche Selbstoffenbarung Gottes sowie durch die Betonung der Notwendigkeit einer persönlichen Entscheidung (Bekehrung, Lebensübergabe), Jesus Christus zu folgen.

Evangelikale halten weitgehend immer noch an den fünf Sola-Aussagen der Reformation fest: sola scriptura (nur die Hl. Schrift ist maßgeblich), sola fide, sola gratia und solus Christus (Erlösung erlangen wir allein aus der Gnade Gottes und durch den Glauben an Jesus Christus; kein weiterer Mittler zwischen Gott und den Menschen ist notwendig oder möglich), sowie soli Deo gloria (Gott allein gebührt alle Ehre).

Evangelikale Christen gibt es sowohl in den evangelischen (lutherischen und reformierten) Landeskirchen, wo sie zumeist eine Minderheit darstellen, als auch in den Freikirchen, die mehrheitlich evangelikal geprägt sind. Auch in anderen Kirchen gibt es Gläubige, die man weitgehend als evangelikal einstufen kann (z.B. etliche der Movimenti in der röm.-kath. Kirche).

Im deutschen Sprachraum wird oft zwischen der evangelikalen Bewegung, der Pfingstbewegung, und der charismatischen Erneuerungsbewegung unterschieden; hier folgen wir jedoch eher den internationalen Gepflogenheiten und sehen alle diese Gruppen und Richtungen (mit Ausnahme sehr extremer Randgruppen) als Teil der weltweiten evangelikalen Bewegung.

Der Wikipedia-Artikel Evangelikalismus ist eine ziemlich umfangreiche und ausgeglichene Darstellung dieser weltweiten Bewegung, und auch die evangelikalen Grundsatzdokumente unter Texte führen weiter in die Materie ein.

Freikirchen sind im Gegensatz einerseits zu den evangelischen Landeskirchen zu sehen, die historisch in enger Verbindung mit dem Staat standen (obwohl diese Nähe inzwischen nur mehr vereinzelt existiert, so z.B. in Ländern wie Schweden oder Großbritannien) — in diesem Zusammenhang steht frei für die Freiheit vom Staat, und andererseits im Gegensatz zu den Volkskirchen, wo man als Kind getauft und damit Mitglied der Kirche wird — in diesem Zusammenhang steht frei für die Freiwilligkeit, für die freie Entscheidung zur Kirchenzugehörigkeit, sowie gerade in Österreich, wo es in den Volkskirchen die mit Rechtsmitteln durchsetzbare Kirchensteuer gibt, für die Freiwilligkeit der finanziellen Beiträge an die jeweilige Kirche.

Die meisten Freikirchen sind in verschiedenen Bünden zusammengeschlossen, die von der jeweiligen Geschichte oder aber von theologischen Betonungen geprägt sind; der Stellenwert, den diese jeweilige Bundeszugehörigkeit hat ist in den verschiedenen Freikirchen sehr unterschiedlich. Neben diesen Bünden gibt es auch unabhängige freikirchliche Ortsgemeinden, die in mehr oder weniger enger, formloser Verbindung mit anderen Gemeinden stehen.

Anfang 2013 haben sich fünf österreichische Gemeindebünde (Bund Evangelikaler Gemeinden, Baptisten, Mennoniten, Freie Christengemeinden, Elaia Christengemeinden) zu einem Dachverband zusammengeschlossen (Freikirchen in Österreich), der zusammen genügend Mitglieder hat, um dem Gesetz über die Anerkennung von Religionsgesellschaften zu genügen; der Antrag auf Anerkennung wurde eingebracht, und wir rechnen derzeit damit, daß ihm noch im ersten Halbjahr 2013 stattgegeben wird. Es ist ein Zeichen gelebter Ökumene, daß dieses Projekt sowohl von der Römisch-Katholischen Kirche als auch von der Evangelischen Kirche in Österreich unterstützt wurde, die beide vor nicht allzu langer Zeit Freikirchen noch als “Sekten” bezeichnet haben.